Einen Dokumentarfilm produzieren

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Einleitung

Dokumentationen präsentieren reale Situationen und Menschen überzeugender als Spielfilme. Dennoch erfordert die Produktion einer Dokumentation, wie auch jene eines Spielfilms, einen komplexen und von hoher Kreativität geprägten Prozess beim Erzählen einer Geschichte.

Dokumentationen befassen sich mit historischen Ereignissen und sozialen sowie natürlichen Phänomenen. Sie können sehr persönlich oder lyrisch sein. Man kennt sie für gewöhnlich aus dem Fernsehen, aber sie haben sich auch als Kinogenre etabliert – man denke etwas an Michael Moores Bowling for Columbine, Al Gores An inconvenient truth oder Morgan Spurlocks Supersize me.

Historiker dokumentieren und speichern auf diese Weise oft, was in der Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht.

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 Vision in action

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  1. Recherchiere dein Thema gründlich und finde relevante Personen, die bereit dazu sind, vor der Kamera zu sprechen. Plane ebenso, wie du an interessantes visuelles Material wie Archivmaterial und Dreharbeiten vor Ort kommst.
  2. Wenn du vor Ort drehst, dann drehe so viel wie möglich, da die Umstände sich verändert haben werden, wenn du wieder an denselben Ort kommst. Stelle mehr Fragen, als du unbedingt brauchst und filme vielseitiges und umfangreiches Bildmaterial. Stelle sicher, dass die aufgenommenen Interviews eine gute Klangqualität haben.
  3. Sei flexibel. Lass zu, dass die Story und die Menschen dich leiten, auch wenn es dich in eine ungeplante Richtung führt. Du kannst später entscheiden, was du bearbeitest und hast vielleicht sogar noch Material für dein nächstes Projekt übrig.
  4. Arbeite in kleinen Teams, sodass du flexibel sein kannst und niemanden verschreckst.
  5. Sei freundlich und bedanke dich bei den Menschen, die bereit sind, dir zu helfen – auch, wenn Filmen stressig ist und du dich nicht besonders freundlich fühlst.
  6. Kümmere dich um gesetzliche Vorschriften: Sichere dir die Genehmigung, Bilder von Orten und Menschen sowohl zu filmen als auch zu veröffentlichen sowie das Recht, Bilder und Sounds anderer Produzenten zu nutzen.
  7. Plane für die Bearbeitung jede Menge Zeit ein. Sei flexibel, probiere verschiedene Dinge aus und sieh dir an, was am besten funktioniert. Überarbeite so oft wie notwendig, bis du mit deinem Ergebnis wirklich vollkommen zufrieden bist.
  8. Teile deinen Film mit anderen. Sieh dir verschiedene Vorführungsoptionen für Filme an (z.B. Filmfestivals, thematisch verwandte Ereignisse, wichtige Fernsehstudios) oder organisiere selbst eine Vorführung.
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Equipment und Hilfsmittel

Die Recherche für eine Dokumentation und Vorbereitung von Dreharbeiten schließt Anrufe bei und Diskussionen mit verschiedenen Menschen ebenso ein wie den Besuch möglicher Drehorte und Bibliotheks-, Archiv- und Internetrecherchen. Die dazu benötigte Ausrüstung umfasst ein Telefon, einen Computer und möglicherweise auch ein Auto oder anderes Transportmittel.

Zum Filmen brauchst du natürlich eine Kamera und Audioausrüstung. Ein zusätzliches Mikrophon, welches sich an die Kamera anschließen lässt, oder ein anderes, externes Audioaufnahmegerät sind sehr wichtig für Dokumentationen; du wirst es v.a. brauchen, wenn du Interviews durchführst. Darüber hinaus erweisen sich ein Dreibeinstativ und zusätzliche Lampen oft als nützlich.

Hauptteil

Der Schlüssel zu einer guten Dokumentation ist es, das Thema auf interessante und klare Weise sowie mit qualitativ hochwertigem Bildmaterial und den dramatischen Effekt unterstützender Bildkomposition zu präsentieren.

Der Vorteil einer Dokumentation gegenüber einem Spielfilm ist, das sie mit einem niedrigen Budget und einem kleinen Filmteam produziert werden können. Das Genre ist deshalb hervoragend dafür geeignet, neue, unbekanntere Themen zu präsentieren oder Ideen zu teilen, die für ein spezielles Publikum von Interesse sind.

Dokumentationen sind eine großartige Chance für junge Filmemacher, Jugendgruppen und jeden, der keinen Zugang zu einem Studio oder zu teurer Ausrüstung und viel Geld hat, sich mithilfe des Mediums Film auszudrücken. Sie sind außerdem geeignet für Menschen, die bevorzugt allein oder in kleineren Gruppen arbeiten.

Obwohl es das Hauptanliegen einer Dokumentation ist, die Realität objektiv darzustellen, musst du immer entscheiden müssen, was du zeigst und wie du es präsentierst. Du wirst aus mehreren Perspektiven, Winkeln und ebenso aus unterschiedlichen Arten des Erzählens, der Ästhetik, Bearbeitung sowie verschiedenen Menschen/Gegenständen/Tieren wählen müssen. Ein Dokumentarist drückt seinem Film immer seinen persönlichen Stempel auf.

Das Genre der Dokumentation entwickelt sich nach wie vor. Deshalb ist es gut, sich Dokumentationen verschiedener Filmemacher und anderer Quellen anzusehen und sie zu analysieren – dies wird dir helfen herauszufinden, was du in deinem eigenen Projekt machen möchtest. Wie immer lernst du allerdings am meisten, wenn du einfach filmst, bearbeitest und experimentierst.

Elemente einer Dokumentation

Jede Dokumentation besteht aus einem oder mehreren der folgenden Elemente.

  1. Bildmaterial
  2. Interviews
  3. Umfrage
  4. Archivmaterial
  5. Fakten (können in grafischer oder anderer Form präsentiert werden …)
  6. Erzählung (Begleitkommentar)
  7. Fiktion oder animierten Sequenzen, die reale Ereignisse nachempfinden oder erklären.

Wir schauen uns einige dieser Elemente in „Producing TV news and/or a reportage“ genauer an. An dieser Stelle konzentrieren wir uns jedoch auf ihre Anwendung in der Praxis.

Sieh dir an, wie die unterschiedlichen Elemente genutzt werden, um die folgende Geschichte zu dokumentieren: 

Eine junge Liedermacherin versucht, ihren Durchbruch zu machen. Ihr erster größerer Auftritt findet diesen Monat statt. 

Bildmaterial: die Sängerin ist im Studio und übt bzw. schreibt neue Lieder; Bilder aus ihrem Alltag, von Treffen mit Freunden und Produzenten, beim Kauf neuer Instrumente, einem Auftritt auf der Geburtstagsparty eines Freundes; Vorbereitungen für einen größeren Auftritt; am Ende auf der großen Bühne

Interviews: mit der Sängerin, mit Verwandten, Freunden, Lehrern, Produzenten

Umfrage: mit Fans

Archivmaterial: Videos und Bilder aus der Kindheit der Sängerin; frühere Auftritte

Fakten: wie viele Lieder hat sie bereits geschrieben, wie viele Auftritte gehabt

Erzählung: Begleitkommentar beschreibt die Sängerin und ihr Leben

Fiktionale oder animierte Sequenzen, die reale Ereignisse nachempfinden oder erklären: fiktive Szene der Sängerin, in der sie ihr erstes Instrument erhält oder ihre ersten Texte schreibt, animierte Karte von Auftritten

Du musst nicht alle diese Elemente in deiner Dokumentation nutzen; wähle nur die geeignetsten aus.

Der Produktionsprozess einer Dokumentation 

Der Produktionsprozess für eine Dokumentation ist sehr komplex. Meist beginnst du mit der Idee, die du zeigen möchtest und einer Richtung, in die diese Idee sich entwickeln könnte. Es kann allerdings passieren, dass das Material, welches du nach dem Drehstart sammelst, nicht so gut ist, wie du gehofft hast. Möglicherweise findest du nicht die richtigen Leute oder deine Quellen weisen auf andere, unerwartete und zuvor unbekannte Informationen hin. All diese Faktoren können die Geschichte in eine neue, interessantere Richtung führen.

Hast du dich jemals gefragt, weshalb preofessionell produzierte Dokumentationen häufig eine kompakte Erzählstruktur haben? Ein Beispiel dafür ist eine Dokumentation, welche zu Beginn die Frage „Ist das Nofretetes Mumie?“ stellt, dann Menschen zeigt, die nach Hinweisen  dafür suchen und am Ende mit der klaren Antwort „Nein, sie ist es nicht.“ schließt.

Das geschieht, wenn z.B. die Recherche vor dem Drehbeginn abgeschlossen war. Dadurch kannst du das Script unter Einbeziehung aller recherchierten Informationen schreiben und dich schrittweise der – dir bereits bekannten – Antwort annähern. Eine Dokumentation wird so gefilmt, dass man denkt, die Forscher im Film fänden die relevanten Fakten erst jetzt, während du sie filmst, heraus. Um die Dramatik zu erhöhen können die Forscher auch einem Hinweis folgen, den du bereits als falsch oder sinnlos erkannt hast.

Je mehr du herausfindest, bevor du mit dem Drehen beginnst, desto mehr Kontrolle hast du über das Script. Der Nachteil dabei ist, dass die Szenen nicht während der echten Recherche gedreht werden und man ihnen vielleicht anmerkt, dass sie nachgespielt sind.

Vielleicht hast du am Ende Stunden von Material, welches bearbeitet werden muss, damit der Film eine klare Botschaft vermittelt und somit sehenswert ist. Du wirst entscheiden müssen, was du verwendest und was du weglässt. Du kannst einiges von dem Material, das du nicht benötigst, aufheben und in einem späteren Projekt nutzen.

Unter Verwendung des oben bereits beschriebenen Beispiels einer Dokumentation über einen Musiker/ Songwriter sind im Folgenden die Schritte dargestellt, denen du bei der Produktion einer Dokumentation folgen solltest:

  1. Definiere den Leitgedanken 

Was möchtest du zeigen bzw. in was möchtest du die Zuschauer mit hineinnehmen? Was bereitet dir Sorgen oder fasziniert dich? Was ist die Hauptfrage oder der Hauptkonflikt, für die/ den die Dokumentation eine Antwort suchen soll? Wie kannst du die Reise zu dieser Antwort auf interessante Weise präsentieren?

Deine Freundin ist eine Liedermacherin. Du magst ihre Musik und möchtest eine Dokumentation über sie machen. Diesen Monat hat sie ihren ersten großen Auftritt. 

  1. Schreib eine Kurzfassung (Synopse) – eine kurze Beschreibung dessen, was im Film passiert.

Eine junge Liedermacherin versucht gerade, ihren Durchbruch zu machen. Ihre Eltern haben ihr Talent bereits entdeckt, als sie fünf Jahre alt war und ihr das erste Instrument gekauft. Sie lernte an der örtlichen Musikschule und begann bald, bei lokalen Ereignissen aufzutreten. 

Sie entwickelte ihre Fertigkeiten stetig weiter und nahm mit 17 Jahren ihr erstes Soloalbum auf. Sie begann, bei kleinen Ereignissen in der gesamten Region aufzutreten und erhielt schließlich die Einladung, auf einem großen Festival in der Hauptstadt aufzutreten. Nun bereitet sie sich auf diesen Auftritt vor.

Die Zuschauer folgen dem Weg der jungen Frau, fühlen ihre Hoffnungen und Ängste mit sowie ihren Wunsch, die Welt durch ihre Musik zu einem besseren Ort zu machen und erhalten somit Einblick in ihre inneren Konflikte. Nebenbei hören wir, was ihre Eltern, andere Verwandte und Freunde über ihre Pläne denken (äußere Konflikte).  

  1. Wähle eine Struktur für deine Dokumentation. 

Es gibt verschiedene Typen von Strukturen für Dokumentationen.

Erzählung: Ein Erzähler oder die Befragten erzählen die Geschichte von Anfang bis Ende.

Die Erzählerin erzählt ihre Geschichte – wie sie als Kind Musik zu machen begann und erste Lieder schrieb, ihre ersten Auftritte, wie sie ihre Fähigkeit, Lieder zu schreiben und ihr Instrument zu spielen, verbesserte, wann sie sich entschied, ihr Hobby zum Beruf zu machen, wie sie zu ihrem Auftritt auf dem großen Festival eingeladen wurde und wie der Auftritt verlief.  

ODER

Filme Interviews mit ihr, ihren Eltern, Brüdern, Schwestern, Musiklehrern, Freunden und Fans. Kombiniere die Antworten so, dass sie die Geschichte der Sängerin von der Kindheit zur Gegenwart erzählen. 

Die Leitfragen sollten folgende sein: Wird sie ihren Durchbruch schaffen und eine Musikkarriere starten? Und werden die Menschen in ihrem Leben ihre neue Berufung ernst nehmen?

Argumentation: Du beginnst mit einer grundlegenden Hypothese oder Theorie und lässt den Erzähler oder die Befragten über den gesamten Film hinweg Argumente dafür und dagegen präsentieren (deduktive Methode). Andersherum können der Erzähler und die Befragten auch zunächst Argumente für und gegen etwas äußern, bevor am Ende eine Theorie vorgeschlagen wird (induktive Methode).

Die grundlegende Hypothese, dass die Liedermacherin gut in dem ist, was sie tut, wird am Anfang des Films eingeführt und alle Antworten unterstützen sie oder widersprechen ihr. 

ODER

Wir behaupten zu Beginn, dass Musik in der Heimat der Künstlerin nicht als ernsthafter Beruf wahrgenommen wird. Alle folgenden Antworten unterstützen diese These oder widersprechen ihr.  1

Beschreibung: Der Erzähler oder die Befragten sprechen über bzw. beschreiben nacheinander Unterthemen.

Alles, was der Erzähler/ die Befragten sagen, wird ,auseinander genommen‘ und in Unterthemen geordnet wieder neu zusammengesetzt – die Motivation der Sängerin, ihre Texte, ihre Hoffnungen, Ängste, Zukunftspläne, ihr Alltag.  

Poetische Strukturen: Dein Ziel ist es eher, bestimmte Gefühle zu erwecken, anstatt knallharte Fakten zu präsentieren oder spezifische Punkte zu diskutieren.

Die Sängerin wird mithilfe ihrer Texte charakterisiert. Das Bildmaterial, welches du nutzt, ist stärker lyrisch und kann Naturbilder ebenso einschließen wie Grafiken oder Animationen. 

Mischstil: Verschiedene Stile und Elemente werden genutzt. Viele Dokumentationen greifen auf diese Struktur zurück.

Nutze Interviews UND Erzählung oder füge neben realistischen Bildern auch poetische Elemente zur Erzählung hinzu. 

  1. Entscheide dich für den Stil deines Films. 

Wird dein Film poetisch oder knallhart realistisch? Welche Art von Aufnahmen wirst du brauchen? Denke über ihre Länge und Beleuchtung nach sowie darüber, ob du eine Handkamera oder ein Stativ benötigst, ob du statische oder bewegte Aufnahmen beabsichtigst.

  1. Recherchiere das Thema, schreibe eine Kurzfassung (Synopse), bereite Interviewfragen vor und erstelle eine Liste mit den verschiedenen Typen von Bildmaterial, welches du benötigst. 

Recherchiere, wenn nötig, detaillierter für das Thema deiner Dokumentation und lese beispielsweise Informationen zur Geschichte oder zu den harten Fakten.

Suche dann nach Menschen, die weitere Informationen für dich haben könnten. Diese Menschen werden deine Interviewees, deshalb müssen sie bereit sein, vor der Kamera zu sprechen. Idealerweise handelt es sich dabei um positiv eingestellte, interessante und kompetente Leute, die sich klar zum Thema äußern können.

Recherchiere das Bildmaterial, welches du zeigen möchtest, genau zugeschnitten auf die Geschichte und die Aussage deiner Dokumentation. Erstelle einen Filmplan und denke darüber nach, woher du Archivmaterial bekommst. 2

  1. Filmen

Filme die Interviews oder Umfragen sowie jegliches andere Bildmaterial, welches du brauchst. Besorge dein Archivmaterial.

Drehe vor Ort so viel du kannst auf einmal, weil die Umstände sich geändert haben werden, wenn du das nächste mal an diesen Ort kommst. Frage mehr Fragen, als du unbedingt brauchst und filme vielseitiges und umfangreiches Bildmaterial. Stelle sicher, dass die aufgenommenen Interviews eine gute Klangqualität haben.

Denk daran, während des Filmens offen zu bleiben und lass zu, dass die Geschichte und die Menschen darin dich führen – auch wenn es dich in eine ungeplante Richtung führt. Du kannst später entscheiden, was du bearbeitest und hast vielleicht sogar noch Material für dein nächstes Projekt übrig.

Es ist auch wichtig, die Öffentlichkeitsarbeit nicht aus dem Blick zu verlieren. Arbeite in kleinen Teams, sodass du flexibel sein kannst und niemanden abschreckst. Sei freundlich und bedanke dich bei den Menschen, die bereit sind, dir zu helfen – auch, wenn Filmen stressig ist und du dich nicht besonders freundlich fühlst.

Last, but not least – kümmere dich um gesetzliche Vorschriften: Sichere dir die Genehmigung, Bilder von Orten und Menschen sowohl zu filmen als auch zu veröffentlichen sowie das Recht, Bilder und Sounds anderer Produzenten zu nutzen.

  1. Kontrolliere das Material und prüfe, was davon verwendbar ist. 

Sieh dir deine Aufnahmen an, ordne sie und gib ihnen Titel. Das wird dir einen genauen Überblick über das vorhandene Material und Möglichkeiten seiner Bearbeitung verschaffen. Die Transkription von Interviewantworten hilft dir zu sehen, welche Art von Erzählung sich von selbst herausbildet. Erstelle eine Liste des Bildmaterials.

Dieser Schritt wird einige Zeit erfordern, aber er wird dir helfen, dein Material genauer kennenzulernen. Dies ist besonders wichtig, wenn du nicht selbst Kameramann warst.

  1. Mache einen Bearbeitungsentwurf 

Organisiere das vorhandene Material anhand der Struktur der Dokumentation und überprüfe, ob du noch etwas brauchst. Benötigst du mehr Antworten oder Bildmaterial? Entscheide, wie und wo du diese Lücken füllen wirst.

Wenn du beabsichtigst, Grafiken, Animationen oder fiktionale Sequenzen zu verarbeiten, dann drehe auch diese.

  1. Bearbeitung

Sei kreativ! Probiere verschiedene Optionen und Perspektiven. Ergänze grafische Materialien, Musik, Begleitkommentare – und vergiss nicht, den Film deinen Freunden oder Kollegen zu zeigen, um zu sehen, ob sie ihn verstehen.

Die Bearbeitung spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Dokumentationsproduktion. Es gibt viele Arten der Bearbeitung einer Geschichte und du wirst Geduld und Erfahrung brauchen, aber gib nicht auf!

Praktische Tipps:

  • Du kannst Interviews oder Teile von Interviews interessanter gestalten, wenn du die Befragten während einer Tätigkeit oder während eines Spaziergangs interviewst – so kannst du z.B. eine Sängerin befragen, während sie ihr Instrument stimmt oder zum Studio geht.
  • Bilder sagen mehr als Worte; versuche also, deine Geschichte mithilfe von Bildern zu erzählen.
  • Nutze längere Einstellungen, wenn viel Text aus dem Off gesprochen wird oder Begleitkommentare vorgesehen sind, beispielsweise bei den Interviews oder während einer Erzählung.
  • Gestalte Interviews spontan, indem du offen und freundlich bist. Stelle zu Beginn einfache Fragen, sodass die Befragten sich an die Kamera gewöhnen können. Stelle immer mehr Fragen als du vermutlich benötigst, da deren Antworten manchmal sehr nützlich sein können.
  • Es ist wichtiger, den Moment einzufangen, als die filmisch perfekte Komposition oder Bildeinstellung zu erreichen.
  • Stelle sicher, dass du die Filmgenehmigung für Menschen und Orte hast. Wenn die Befragten noch minderjährig sind, dann hole die Erlaubnis der Eltern/ Erziehungsberechtigten ein.

Beispiele für Dokumentationen

I am not a copata (Slovenska filantropija, Pankultikum, Greg Whistler) – ENG

Ganz normal anders (produziert von Nutzern von WTV) – DE

Peter pan bakery (Peter Haas) – ENG

Posavski prostovoljci v akciji (LIJAmedia) – SI

Übungen

Produziere eine kurze Dokumentation. Überlege dir ein Thema, welches dich interessiert und welches dich und deine nähere Umgebung betrifft – ein Jugendlicher aus deiner Region, ein Ereignis oder eine Tradition, eine in deinem Ort beliebte Sportart.

Entscheide, welche Filmstruktur du verwenden wirst und bereite alles Notwendige dafür vor: Recherchiere, finde Menschen, um über dein Thema zu sprechen, bereite Interviewfragen vor, erstelle eine Liste von Bildmaterial. Dann drehe und bearbeite deinen Film!

Häufige Fehler

  1. Der Film ist zu lang oder nicht besonders interessant für ein weiteres Publikum.
  2. Die Geschichte wird zu detailliert erzählt.
  3. Die Interviews sind zu lang oder die Befragten sprechen monoton.
  4. Es gibt nicht genügend oder ausreichend vielseitiges Bildmaterial.
  5. Die Geschichte ist zusammenhangslos und unklar.

Verwandte Themen und Links zu externen Quellen

Kapitel: Ein Interview produzieren / TV news and reportage / Sound, music and sound effects / Basic concepts of editing

Arbeitsweise mit Jugendlichen

Wenn du mit jungen Menschen arbeitest, dann wollen sie vermutlich aktiv eingebunden werden – zu Drehorten gehen, Interviews filmen usw.

Für die meisten von ihnen wird die Bearbeitung der härteste Teil im Produktionsprozess sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass nur wenige Leute Interesse daran zeigen werden, da die Bearbeitung viel Zeit, Geduld und Kenntnisse von Bearbeitungsprogrammen verlangt.

Versuche, Aktivitäten zu finden, die den Rest der Gruppe beschäftigen. Sie können beispielsweise ein Poster oder eine Website zur Zusammenfassung der Dokumentation erstellen, an einer Fotocollage mit Bildern vom Dreh arbeiten oder eine Präsentation zum Film entwickeln. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Bearbeitungssitzungen von den Aktivitäten der anderen Gruppenmitglieder getrennt zu organisieren.

Fachausdrücke

Bildmaterial, Interviews, Umfrage, Archivmateriall, Fakten, Erzählung, Nachstellung realer Ereignisse, Erzählstruktur, Argumentationsstruktur, Beschreibungsstruktur, poetische Struktur