Grundlagen der Kurz- und Spielfilmproduktion

image_print

Einführung

Dieses Kapitel handelt von der Produktion eines Spielfilms, entweder in voller Länge oder, um den Aufwand geringer zu halten auch in Form eines Kurzfilms (ca. 5 bis 20 min). Entweder Jugendliche nutzen dieses Kapitel, um einen Spielfilm selbst zu produzieren, oder Pädagogen nutzen das Kapitel um gemeinsam mit Jugendlichen einen Spielfilm zu produzieren.

 corner_lt

Vision in action

 corner_rt
  • Jeder weiß, was seine Aufgabe im Team ist.
  • Alle, die am Dreh beteiligt sind, kennen das Drehbuch und das Storyboard.
  • Es liegen Drehgenehmigungen für alle Drehorte vor.
  • Die Technik wurde vor dem Dreh auf ihre Funktion getestet.
  • Am Set herrscht Ruhe und Konzentration
  • Es werden ausreichend Pausen während der Drehs eingeplant.
  • Das Filmmaterial wird regelmäßig gesichert und gesichtet.
corner_lb corner_rb

Equipment und Hilfsmittel

  • Für den Projektbeginn:
    • ein Abspielgerät um Filme als Diskussionsgrundlage und Inspirationsquelle anzuschauen
    • eine Whiteboard um Ideen zu sammeln
    • ein großes Papierbanner und selbsklebende Zettel, um den Produktionsprozess zu dokumentieren
    • Papier, um Synopse, Drehbuch und/oder Storyboard und Drehplan zu schreiben
  •   Für die Vorbereitung der Schauspieler und der Drehorte:
    • Kostüme und Make-Up
    • Requisiten
  • Für die Filmmontage: Computer mit Schnittsoftware, um den Film zu schneiden

Hauptteil

Bei der Produktion eines Spielfilms bleibt normalerweise nichts dem Zufall überlassen. Alle Szenenabläufe und Dialoge werden im Drehbuch und im Storyboard festgelegt von den Schauspielern mehrmals vor dem eigentlichen Dreh geprobt. Auch alle Kameraeinstellungen, -schwenks und -fahrten werden exakt im Drehbuch und im Storyboard festgelegt.
Damit alles möglichst reibungslos von Statten geht, benötigen wir außerdem einen Plan für die Organisation des gesamten Produktionsprozesses – von der Idee bis zum fertigen Film. Und einen separaten Drehplan, in dem festgelegt wird, wann, was, wo gefilmt wird, wer daran beteiligt ist und was alles an Technik, Kostümen und Requisiten benötigt wird.
Die Produktion eines Spielfilms erfordert demnach zunächst die Kenntnis des Kapitels ‚Ein Expose, ein Drehbuch, ein Storyboard und einen Drehplan schreiben‘. Aber auch die Kenntnis anderer Kapitel ist für das Gelingen der Produktion eines Spielfilms wichtig: Neben den Grundlagen wie Einstellungsgrößen (in ‚Kameragrundlagen‘) und Bildkomposition (in ‚Bildkomposition und Farbgebung‘) seien u.a. die Kenntnisse für das richtige Strukturieren von Szenen und Einstellungsgrößen (‚Filme richtig strukturieren‘) und die ‚Grundlagen der Beleuchtung‘ genannt. Je nach qualitativen Anspruch an den Film, ist auch die Kenntnis der Kapitel ‚Erweiterte Kamerakenntnisse‘ erforderlich.
Auch Kenntnisse für das Aufnehmen von Ton (z.B. Dialoge, Geräusche, Musik) sind für die Produktion eines Kurzfilms wichtig (‚Ton, Musik und Soundeffekte‘).
Da die Produktion eines Spielfilms schon viele Vorkenntnisse aus unterschiedlichen Bereichen benötigt, werden wir in diesem Kapitel nicht mehr im Detail darauf eingehen. Vielmehr wird in diesem Kapitel das Augenmerk darauf gelegt, was das Besondere an der Spielfilmproduktion im Vergleich zu anderen Formaten ist, wie ein typischer Produktionsprozess abläuft und was es dabei zu beachten gilt.
Sofern ihr noch nicht so viele Kenntnisse habt und ihr von Pädagogen angeleitet werden, können diese euch auch viele Kenntnisse noch während des gesamten Projektverlaufs nach und nach vermitteln. Auf diese Weise habt ihr auch gleich direkt einen Bezug zu dem was ihr tut und lernt die Dinge nicht nur theoretisch.

Communicate! (von türkischen Projektteilnehmern an VISION)

Typischer Ablauf einer Spielfilmproduktion

  1. Teambildung

    Zunächst solltet ihr Euch über die Rollenverteilung aller Projektbeteiligten klar werden, d.h. wer übernimmt welche Aufgaben in Eurer Projektgruppe. Es kann auch ein Projekteilnehmer mehrer Aufgaben übernehmen oder mehrere Teilnehmer können eine Aufgabe aufteilen oder ihr könnt auch die Aufgaben wechseln, sofern dies den Produktionsablauf nicht behindert. Folgende Aufgaben gilt es bei der Produktion eines Spielfilms normalerweise zu besetzen:

    • Hauptverantwortliche(r) für die Organisation des gesamten Produktionsablaufs: Jugendliche alleine oder mit Unterstützung von Pädagogen
    • Drehbuchschreiber: wählt/wählen eine bekannte Geschichte als Grundlage für die Filmhandlung aus oder Erfinden eine eigenen Geschichte; erarbeiten Exposé, Drehbuch, Storyboard und Drehplan
    • Schauspieler
    • Schauspieltrainer (Teilnehmer oder Theaterpädagoge)
    • Verantwortliche für Kostüme und Make-Up
    • „Locationscouts“, die nach geeigneten Drehorten suchen
    • Verantwortliche für Requisiten
    • Verantwortliche für die Organisation der Drehtage
    • Regisseur/-in: probt mit den Schauspielern, führt die Regie, leitet den Cutter beim Filmschnitt an
    • Regieassistenz: hilft dem Regisseur und überprüft u.a. beim Dreh, ob sich alle an die Anweisungen im Skript halten
    • Kameramänner und -frauen
    • Tonmänner und -frauen
    • Beleuchtungsmänner und -frauen
    • Filmcutter
    • Jemand, der für genug Essen und Getränke am Drehort sorgt. Ausreichend Essen und Getränke sind entscheidend für die Stimmung im gesamten Projekt und beim Drehen!

Es ist generell wichtig, dass die Zusammenarbeit im Team gut funktioniert und dass möglichst immer eine gute Stimmung im Team herrscht. Achtet immer darauf, wie es euch während der Arbeit im Projekt geht und redet darüber, wenn ihr euch unwohl fühlt. Ihr könnt auch den gesamten Produktionsprozess unterbrechen, wenn ihr denkt, dass Probleme im Team ausdiskutiert werden müssen.

  1. Organisation des gesamten Produktionsprozesses

    Nachdem die Rollen im Team verteilt sind, solltet ihr euch einen Überblick über den gesamten Produktionsprozess verschaffen und alle Arbeitsschritte und deren Verantwortliche in den nun folgenden Phasen des Produktionsprozesses festlegen. Ihr könnt dafür beispielsweise eine großes Banner aus Papier an eine Wand hängen und dort alle Arbeitsschritte in ihrer zeitlichen Abfolge dokumentieren. Ihr könnt auch alle Arbeitsschritte und deren Verantwortliche auf selbstklebenden Zettel notieren und sie dann den jeweiligen Arbeitsphasen zuordnen. Auf diese Weise könnt ihr später auch noch Arbeitsschritte in andere Phasen verschieben.
    Die Hauptverantwortlichen für die Organisation müssen von allen Beteiligten über den Fortlauf des Projekts in Kenntnis gesetzt werden und sich auch regelmäßig bei allen Beteiligten über die Projektfortschritte erkundigen.
    Am besten es gibt zu Beginn und Ende jedes Drehtages eine gemeinsame Besprechung aller Beteiligten, bei der ihr euch über den aktuellen Stand eures Filmprojekts austauscht.

  2. Suche nach einer geeigneten Geschichte oder Entwicklung einer eigenen Geschichte

    Im Unterschied zu einem Dokumentarfilm, dessen Attraktivität zu einem Teil darin besteht, dass der Zuschauer authentische Aufnahmen zu sehen bekommt (oder dies im zumindest so vermittelt wird), handelt es sich bei einem Spielfilm um eine reine Inszenierung, deren Attraktivität stark von der Handlung, also auch der Geschichte, die dem Film zugrunde liegt, abhängt. Ob eine Geschichte bei den Zuschauern wirklich ankommt, hängt natürlich von deren Interessen ab und es ist sehr schwierig diesbezüglich Aussagen zu treffen.
    Sofern ihr keine thematische Vorgabe habt, seid ihr in der Wahl der Geschichte für Euren Spielfilm völlig frei und könnt Euch fragen, was ihr selbst gerne für eine Geschichte verfilmen und im Kino sehen würdet. Aber selbst mit einer thematischen Vorgabe, wie z.B. für einen Wettbewerb, bleiben meist noch viele Freiräume für Eure eigenen Ideen.
    Fragt euch, welche Themen es gibt, die Euch bewegen, die ihr spannend findet, und denen momentan in den Medien oder im Kino vielleicht nur wenig Beachtung geschenkt wird.
    Ihr könnt entweder Geschichten verfilmen, die ihr schon kennt, oder auch bekannte Geschichten abwandeln. Oder ihr denkt euch eine völlig neue Geschichte aus.
    Um mit der Entwicklung eines Drehbuchs vertraut zu werden, hilft es, sich verschiedene Filme anzuschauen und darüber zu diskutieren oder sie sogar zu analysieren (siehe Kapitel ‚Analyse von Filmhandlung und Protagonisten‘).
    Wenn ihr einen hohen Anspruch an die Authentizität der Geschichte habt oder ein Thema möglichst tiefgründig in eurem Drehbuch behandeln wollt, solltet ihr auch zu dem jeweiligen Thema recherchieren und/oder mit Menschen sprechen, die schon Erfahrung mit dem Thema gemacht haben.
    Bei der Auswahl der Geschichte solltet ihr bereits darauf achten, wie groß der Aufwand für deren Verfilmung ist: Wie viele Schauspieler und was für Typen werden für die Besetzung der Rollen benötigt? An welchen Drehorten spielt der Film und kennt ihr solche Orte in Eurer Nähe und wie leicht sind diese zugänglich? Welchen Aufwand bereiten Kostüme und Requisiten?
    Da Spielfilme in voller Länge einen enormen Aufwand bedeuten (bei einem professionellen Film werden ca. 5 min oder sogar weniger pro Tag gedreht), bietet es sich für euch an erstmal nur einen Kurzfilm (ca. 5 bis 20 min) zu produzieren.

    Za prijatelje si je treba čas vzet („Für Freunde muss man sich immer Zeit nehmen“) – (LIJAmedia Slowenien)

  3. Ausarbeitung von Expose, Drehbuch und Storyboard

    Falls ihr eine bereits vorhandene Geschichte für Euren Film verwendet, so kann diese schon als Grundlage für Euren Film dienen.
    Um eine bereits vorhandene Geschichte irgendwo vorstellen zu können, z.B. wenn ihr Geldgeber für Eurer Filmprojekt sucht, ist es gut die Geschichte nochmals in einem Exposé kürzer zusammenzufassen (Siehe ‚Ein Exposé, ein Drehbuch, ein Storyboard und einen Drehplan schreiben‘)
    Falls Ihr Euch eine Geschichte selbst ausdenken möchtet, so könnt ihr die Grundidee auch zunächst in einem Exposé zusammenfassen.
    Wenn die Schauspieler für euren Spielfilm schon zu Beginn des Projekts feststehen, bietet es sich auch an eine Geschichte zu entwickeln, deren Protagonisten schon zu diesen Schauspielern passen.
    Unabhängig davon ob ihr eine bereits vorhandene Geschichte oder eure eigene als Grundlage für den Spielfilm verwendet, folgt auf die Erarbeitung des Exposé die Ausarbeitung des Drehbuchs, das bereits für die szenische Umsetzung geschrieben wird. Es enthält Angaben zu Drehorten, Requisiten, Kostümen, Dialogen und zum Verhalten der Schauspieler.
    Die Wahl der passenden Kameraeinstellungen und der Kameraführung, wie z.B. Schwenks oder Kamerafahrten, erfolgt dann im Storyboard. Die Kameraführung ist mindestens genauso entscheidend für die Qualität des Films wie die Handlung selbst.
    Die Art der Kameraeinstellungen und der Kameraführung beeinflusst auch, wie wir das Gefilmte wahrnehmen.
    In einer Szene mit viel Action unterstreichen viele Einstellungswechsel die Dynamik der Handlung. Schnelle Kamerabewegungen können diese Dynamik noch weiter unterstreichen.
    In einer ruhigen Szene, vermeidet man hingegen meist viele Einstellungswechsel und schnelle Kamerabewegungen.

  4. Suche nach geeigneten Schauspielern, Drehorten, Requisiten und Kostümen

    Schon während der Ausarbeitung von Drehbuch und Storyboard solltet ihr euch schon Gedanken über geeignete Drehorte in eurer Nähe und auch Schauspieler in eurer Projektgruppe oder sogar von außerhalb (z.B. Freunde, Verwandte oder vielleicht sogar Leute, die in ihrer Freizeit oder professionell als Schauspieler tätig sind) machen.
    Von allen Schauspielern benötigt ihr die Einverständniserklärung für die Veröffentlichung von Aufnahmen. Bei minderjährigen Schauspielern müssen diese die Erziehungsberechtigten unterschreiben. Für die Drehorte müsst ihr natürlich Drehgenehmigungen von den jeweiligen Eigentümern einholen. Probleme könnte es z.B. geben, wenn ihr in einem Geschäft oder einem Lokal filmen wollt. Nicht immer sind die Eigentümer dazu bereit eine Drehgenehmigung zu erteilen. An öffentlichen Orten habt ihr auch nie eine 100% Garantie, wie die Umstände sein werden. Beispielsweise müsst ihr in einem Lokal mit einem hohen Lärmpegel durch Gäste rechnen. Oder mit großem Lärm durch vorbeifahrende Autos, wenn ihr direkt an einer Straße dreht.

     Kurzfilm mit mit mittelalterlichen Kostümen, Drehorten und Requisiten (“Der Müller aus Wettin” / Teil der Triologie „Wettiner Sagen”- produziert von Nutzern von WTV)

    Requisiten und Kostüme können einerseits von den Projektbeteiligten selbst stammen, andererseits besteht auch die Möglichkeit Requisiten und Kostüme in Second Hand Läden zu kaufen oder auch aus einem Fundus eines Theaters auszuleihen. Sofern ihr Dinge kauft oder ausleiht, macht Euch rechtzeitig über Euer Budget Gedanken und behaltet es gut im Überblick.
    Was die letztliche Auswahl der Schauspieler angeht, so sollten diese natürlich von ihrer Erscheinung und ihren Ausdrucksmöglichkeiten auf die Protagonisten Eurer Geschichte passen. Um herauszufinden, welche Schauspieler für welche Rollen geeignet sind, könnt ihr sie schon mal eine oder auch mehrere Rollen mit dem Text in der Hand vorsprechen lassen und euch danach auf Schauspieler und Rollen festlegen.

  5. Ausarbeitung eines detaillierten Drehplans

    Der Drehplan enthält alle organisatorischen Details zum Ablauf der Drehtermine an den verschiedenen Drehorten. Um die Drehorte nur möglichst wenig zu wechseln, sollten alle Szenen, die an demselben Drehort spielen, auch gleich hintereinander dort gedreht werden, auch wenn auf diese Weise schon Szenen des Films gedreht werden, die im Handlungsverlauf eigentlich erst später kommen.
    Gerade jüngeren Schauspielern kann es aber manchmal schwer fallen, sich schon in Szenen hineinzuversetzen, die im Ablauf der Geschichte erst später kommen. Dann kann es einfacher sein, die Drehorte auch wirklich in der Reihenfolge aufzusuchen, wie sie im Drehbuch stehen.
    Bei Außenaufnahmen spielt natürlich auch das Wetter eine große Rolle. Sofern ihr ein bestimmtes Wetter für eine Szene benötigt, könnt ihr die Drehtage anhand der Wettervorhersage planen. Eine 100%ige Garantie, dass diese Wetter auch eintritt, gibt es natürlich nicht. Schwierig wird es auch dann, wenn ihr eine Szene über mehrere Stunden oder sogar mehrere Tage drehen wollt und das Wetter oft wechselt.
    Wenn ihr bei Regen drehen wollt oder ihr keine andere Wahl habt, achtet darauf die Technik vor Regenwasser zu schützen. Für Kameras gibt es beispielsweise spezielle Regenüberzüge. Ansonsten könnt ihr Euch auch mit Folien und Klebeband und Schirmen behelfen.
    Auch das Licht verändert sich im Laufe des Tages. Am besten ist es im Laufe des Vormittags oder des Nachmittags zu drehen. Vermeidet in jedem Fall die Mittagssonne.
    Eine besonders schöne Lichtstimmung herrscht meist in der Goldene Stunde – die Stunde nach dem Sonnenaufgang und die Stunde vor dem Sonnenuntergang. Ihr solltet euch natürlich vorher überlegen, ob eine schöne Lichtstimmung überhaupt zu der jeweiligen Szene in eurem Film passt!
    Denkt auch daran, genügend Pausen in den Drehplan einzubauen. Drehen ist für alle Beteiligten sehr anstrengend und es ist niemand geholfen, wenn ihr nach dem ersten Drehtag schon total erschöpft seid.

  6. Schauspielproben, Proben der Kameraführung und weiterer Bewegungsabläufe

    Bevor es zum eigentlichen Dreh kommt, ist es gut, wenn die Schauspieler bereits den Text auswendig können und die einzelnen Szenen geprobt haben. Schauspieler mit Erfahrung können meist schon alleine oder mit Hilfe von Freunden proben. Schauspielanfänger können die Unterstützung durch einen Teilnehmer mit mehr Schauspielerfahrung oder durch einen Theaterpädagogen benötigen. Auch der Regisseur sollte bei den Schauspielproben anwesend sein und die Schauspieler anleiten.
    Die Kameramänner und -frauen sollten sich schon vor dem Dreh mit den benötigten Kameraeinstellungen und -bewegungen vertraut machen und diese ggf. auch trocken üben.
    Auch die Tonmänner und -frauen können sich im Vorfeld anhand des Storyboards schon Gedanken darüber machen, wo sie sich selbst und die Tonangel am Drehort positionieren können, damit diese einerseits nah genug an den Schauspielern dran ist, andererseits aber natürlich nicht im Bild zu sehen und auch keine Schatten wirft. Auch alle anderen technischen Geräte und Beteiligten am Set dürfen natürlich keine störenden Schatten werfen.

  7. Der Filmdreh

    Damit die Drehtage möglichst reibungslos ablaufen, ist es wichtig, dass jeder weiß was er zu tun hat und sich auch an die Anweisungen des Regisseurs oder der Regisseurin hält.
    Es ist vielleicht gegen euer Empfinden von gemeinschaftlicher Zusammenarbeit, wenn eine Person, nämlich der oder die Regisseurin, das Sagen am Set hat und alle anderen ihm oder ihr Folge leisten sollen. Im Bereich der Filmproduktion hat sich diese hierarchische Arbeitsweise aber als die zielführendste erwiesen, da am Set nur wenig Zeit ist um Entscheidungen langwierig auszudiskutieren.
    Die hierarchische Arbeitsweise liegt aber nicht nur darin begründet, dass man sich Diskussionen am Set erspart, sondern, dass es sich auch bei der Regie um eine künstlerische Tätigkeit handelt, die die einheitliche Handschrift des Regisseurs bzw. der Regisseurin tragen sollte.
    Wichtig ist aber, dass der oder diese Regisseurin auch trotz seinem Recht Ansagen am Set machen zu dürfen, für Änderungsvorschläge offen bleibt und sich nach der Arbeit am Set alle wieder auf gleicher Augenhöhe bewegen.
    Wenn der oder die Regisseurin oder die Regieassistenz von allen Beteiligten ein „Bereit!“ erhalten hat, kann er oder sie das Signal zum Dreh geben (z.B. „3, 2, 1, Action!“) Manche Kameras benötigen ein bis zwei Sekunden, bis sie auch wirklich aufnehmen, das solltet ihr berücksichtigen.
    Bevor die Schauspieler aber wirklich mit dem Spiel beginnen erfolgt zunächst die Filmklappe, z.B. durch die Regieassistenz. Die Filmklappe wird anhand des Drehplans mit der Nummer der Szene und des jeweiligen Takes beschriftet und wird nach dem Signal zum Beginn der Aufnahme von der Kamera gefilmt. Sie sollte sich ungefähr im Abstand des Schauspielers oder des Objekts von der Kamera befinden, den/das die Kamera in dem Take gleich filmen wird. Auf diese Weise befindet sich die Filmklappe in der Schärfe und man kann den Text darauf gut lesen.
    Dass die Filmklappe sich im Abstand zu dem zu filmenden Schauspielers oder Objekt befindet, ist besonders auch dann wichtig, wenn ihr mit Autofokus filmt. Sonst stellt die Kamera zunächst die Filmklappe scharf und dann den Schauspieler bzw. ein Objekt, das ihr filmen wollt, und die ersten Sekunden der Aufnahme, die später im Schnitt Verwendung finden sollen, sind unscharf.
    Außerdem kann derjenige, der die Filmklappe bedient, die Szene und den Take auch laut ansagen. Sowohl die Beschriftung der Filmklappe als auch die deutliche Ansage helfen euch später beim Schnitt enorm, die passende Szenen und Takes zu finden. Außerdem erleichtert die Filmklappe später die Synchronisation mehrerer Kameras und Tonaufnahmegeräte bei der Montage des Films, da sie sowohl im Bild (der Frame, wenn die Klappe gerade zugeklappt wurde) als auch im Ton (Klappgeräusch) eine Synchronisationsmarke setzt.
    Die Regieassistenz überprüft, ob Dialoge, Handlung, Kameraführung etc. dem Storyboard entsprechen. Auch wenn im Storyboard normalerweise Handlung, Dialoge und Kameraführung festgelegt wurde, sollte der Regisseur / die Regisseurin dennoch für spontane Änderungen und Einfälle offen bleiben, die sich erst beim Dreh ergeben können. Sonst besteht die Gefahr, dass Kreativität und Spontanität zu sehr eingeschränkt werden, was die Lebendigkeit des Films negativ beeinträchtigen kann.
    Nach dem ersten Drehtag könnt ihr besser einschätzen, wie realistisch das Zeitmaß, das ihr euch für die Produktion eures Films gegeben habt, ist und könnt ggf. noch mehr Drehtage einplanen oder den Drehplan straffen. Natürlich kann das Zeitpensum für den Dreh einer Szene immer variieren, je nachdem welche Schwierigkeiten an einem bestimmten Drehort auf Euch zukommen. Z.B. kann es technische Probleme geben, oder eine Szene muss sehr oft wiederholt werden, weil die schauspielerische Leistung oder auch die Kameraführung noch nicht zufriedenstellend war. Stellt aber nicht allzu sehr hohe Ansprüche, sonst kann es auch schnell passieren, dass den meisten die Lust am Filmen vergeht!

  8. Sichtung des gefilmten Materials (schon während des Drehs)

    Ihr solltet außerdem das gefilmte Material schon im Verlaufe eines Drehtages auf einem Computer abspeichern und auf einem Bildschirm sichten, um sicherzustellen, dass auch wirklich alles so gefilmt wurde, wie ihr euch das vorgestellt habt. Wie schon erwähnt, ist es auch schwierig nochmal die gleichen Voraussetzungen am Set zu schaffen, wenn man erst am Ende des Drehtages oder noch später bemerkt, dass eine Szene nochmal nachgedreht werden muss. Achtet bei der Sichtung darauf, dass sowohl alle technischen Aspekte (z.B. Helligkeit und Kontrast des Bildes, Farbtemperatur, Tonqualität) als auch die gestalterischen Aspekte (z.B. Einstellungsgrößen, Kamerabewegungen, schauspierlische Leistung) euren Ansprüchen genügen.

  9. Filmmontage

    Nachdem ihr alles Material auf einem Speichermedium gesichert habt und auch noch mindestens eine Sicherungskopie davon gemacht habt, solltet ihr euch wie immer zuerst einen Überblick über das gesamte Material verschaffen und dieses auch schon im Dateibrowser (z.B. Windows-Explorer) vorstrukturieren. Zunächst solltet ihr das Material wieder in die Reihenfolge bringen, wie es das Drehbuch vorsieht. Takes von denen ihr ganz sicher seid, dass ihr sie nicht brauchen werdet, könnt ihr bereits jetzt schon z.B. in Unterordner „Outtakes“ im jeweiligen Ordner der Szene aussortieren (aber nicht löschen!). Dann habt ihr später in der Schnittsoftware schon weniger Clips.
    Wenn ihr eine Szene mit mehreren Kameras gleichzeitig gefilmt habt, könnt ihr jeweils eine Kamera einer Videospur zuordnen und die gerade passende Einstellung in der Szene wählen (siehe ‚Filmschnitt‘). Je nach Dynamik, die ihr durch den Schnitt erzeugen wollt und die natürlich im Zusammenhang zur Handlung stehen sollte, könnt ihr weniger oder mehr Schnitte setzen.
    Ihr müsst Euch nicht zwangsläufig an die Szenenabfolge im Drehbuch halten, wenn ihr den Eindruck habt, eine Abänderung der Szenenabfolge (z.B. bei einer Parallelmontage mehrerer Handlungsstränge), verbessert die Dramaturgie des Films.
    Es können nur zwei Personen gleichzeitig an einem Schnittcomputer arbeiten. Das sind normalerweise der Regisseur oder die Regieassistent und ein Cutter. Natürlich können auch die anderen Projektbeteiligten ihre Meinung zum Schnitt abgeben, aber wie auch beim Dreh ist es das Beste, wenn nur eine Person für den Schnitt die Hauptveratnwortung trägt. Nachdem ihr mit dem Schnitt fertig seid, solltet ihr den Film in dieser Fassung auch Außenstehenden verschiedener Altersgruppen zeigen, die das Drehbuch nicht kennen. Auf diese Weise könnt ihr euch vergewissern, dass der Film auch ohne Vorwissen gut verständlich ist.
    Nach dem Schnitt des Videomaterials erfolgt die Nachvertonung. Ihr könnt z.B. eine Erzählerstimme aus dem Off in Euer Filmprojekt einbauen oder Geräusche nachvertonen, damit sie deutlicher zu hören sind, als die Originalgeräusche (z.B. das Quietschen einer Tür). Ihr könnt auch Toneffekte einsetzen und beispielsweise Hall einsetzen, um den Raumeindruck in einer Szene zu verändern. So kann man z.B. aus einem ganz normalen dunklen Zimmer eine große Höhle machen.
    Natürlich hat auch die Musik einen enormen Einfluss auf die Stimmung in einer Szene und ihr sollte euch gut überlegen welche Art von Musik ihr wann einsetzt, damit diese auch wirklich zur gezeigten Handlung passt (Siehe mehr zum Thema Nachvertonung im Kapitel ‚Sound, Musik und Sound-Effekte‘!).
    Nachdem auch die Nachvertonung beendet wurde, könnt ihr euch auch noch daran machen, Farbkorrekturen am Videomaterial vorzunehmen, damit dieses im ganzen Film einheitlich wirkt. Auch die Tonpegel aller Tonspuren werden normalerweise nocheinmal verfeinert.
    Natürlich gehört zu einem richtigen Spielfilm auch ein Vorspann und ein Abspann in dem alle Beteiligten und ggf. auch Sponsoren erwähnt werden. Diese könnt ihr in Adobe Premiere Elements über die sog. Titel umsetzen (Siehe Kapitel ‚Filmschnitt‘).
    Wenn noch Zeit bleibt, könnt ihr auch noch die witzigsten Pannen bei den Drehs zusammenschneiden und die sog. „Outtakes“ produzieren. Bei manchen Filmdrehs wird auch der Dreh an sich mit einer Kamera dokumentiert und daraus ein sog. „Making Of“ produziert.

Häufige Fehler

  • Projektteilnehmer halten sich nicht an Abmachungen und der Dreh wird dadurch behindert
  • Bänder oder Speicherkarten werden nicht ordnungsgemäß beschriftet, nicht nach einer klaren Struktur abgespeichert oder im schlimmsten Fall gar nicht gesichert.
  • Schauspieler haben keine Einverständniserklärung für die Veröffentlichung von Aufnahmen
  • Schauspieler vergessen ihre Filmkleidung oder Kostüme zu Hause
  • Es liegen keine Drehgenehmigungen von Drehorten vor
  • Projektteilnehmer kennen das Drehbuch während des Drehs nicht gut genug.
  • Tonangel oder andere Technik ist im Bild zu sehen
  • Schattenwurf, z.B. durch Kamera oder Personen, die am Set stehen, ist im Bild zu sehen
  • Anschlussfehler: Eine Bewegung in einer Einstellung setzt sich nicht kontinuierlich in der nächsten Einstellung fort (z.B. Person läuft von links nach rechts im Bild in der einen Einstellung und steht bereits in der nächsten Einstellung)
  • nicht identische Kleidung oder abweichender Haarschnitt eines Schauspielers in einer Szene, weil sie an mehreren Drehtagen gedreht wurde
  • es werden nicht ausreichend Pausen gemacht und es tritt schnell Erschöpfung ein
  • der Regisseur / die Regisseurin verlangt zu viel von Schauspielern und Filmteam und die Motivation sinkt
  • es liegen keine Urheberrechte für Geräusche oder Musik vor, die in den Film einfließen sollen, und der Film kann nicht veröffentlicht werden.

Verwandte Themen und Links zu externen Quellen

Kapitel: Kameragrundlagen / Bildkomposition und Farbgebung / Grundlagen der BeleuchtungFilme richtig strukturieren / Ein Exposé, ein Drehbuch, ein Storyboard und einen Drehplan schreiben / Ton, Musik und SoundeffekteErweiterte KamerakenntnisseAnalyse von Dramaturgie und Protagonisten

Arbeitsweise mit Jugendlichen

Bei der Auswahl des Themas oder der Geschichte, sollten die Interessen der Projektbeteiligten im Vordergrund stehen. Versuchen sie gemeinsam mit den Jugendlichen herauszufinden, welches Thema oder welche Geschichte, sie am meisten begeistert um eine möglichst hohe Motivation für deren filmische Umsetzung zu erhalten.
Der Anspruch, der an die Qualität des Films gestellt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Zunächst ist da natürlich das Alter und die Vorerfahrung der Beteiligten im Filmbereich. Auch die technischen Mittel können große Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Feststehen sollte auch die pädagogische Intention: Handelt es sich um ein Projekt, bei dem sie den Arbeitsprozess und den Lernzuwachs in den Mittelpunkt stellen möchten? Oder wird angestrebt ein bestimmtes qualitatives Niveau, z.B. um einen Wettbewerb zu gewinnen, zu erreichen? Achten sie darauf, dass sich die Teilnehmer überfordert noch unterfordert fühlen. Beides führt auf lange Sicht zu Demotivation. Zeitweise kann aber auch ein von den Teilnehmern als Überforderung wahrgenommerer Leistungsanspruch von diesen als eine positive Erfahrung wahrgenommen werden, wenn sie rückblickend auf ihren Leistungszuwachs reflektieren können und letztlich auch mit dem Ergebnis zufrieden sind.
Die Produktion eines, wenn auch nur kurzen, Spielfilms ist sehr aufwendig und erfordert Kompetenzen aus vielen Bereichen vom kreativen Schreiben, Schauspiel bis hin zu Kameraführung und zu Sozialer Kompetenz, wie Teamfähigkeit oder Führungskompetenz. Neben den Kenntnissen und Kompetenzen in Bezug auf die Filmproduktion ist hier nun ganz besonders auch ihre Soziale Kompetenz gefragt, um diesen komplexen Gruppenprozess zu begleiten und rechtzeitig zu reagieren, wenn sie merken, dass Motivation oder Stimmung kippen. Bleiben sie aufmerksam und nehmen sie sich die Zeit, um den Produktionsprozess auch einmal komplett zu unterbrechen, wenn sie merken, dass Spannungen unter den Projektteilnehmern herrschen. Machen sie mehrmals am Tag Feedbackrunden, um sich sowohl ein Bild über den Produktionsstand des Films als auch über Motivation und Stimmung unter den Projektteilnehmern zu machen. Heben sie regelmäßig die guten Leistungen und Ergebnisse aller Projektbeteiligten vor und üben sie nur konstruktive Kritik.
Gehen sie in Einzelgesprächen individuell auf Projektteilnehmer ein, bei denen sie den Eindruck haben, dass sie sich im Projekt nicht wohlfühlen. Bleiben sie flexibel dafür, Teilnehmern andere Rollen im Projekt zu geben, wenn dies deren Motivation zuträglich ist.
Sorgen sie dafür, dass Pausenzeiten eingehalten werden, und machen sie ggf. auch Bewegungsspiele oder Improtheaterübungen in den Pausen, damit sich die Teilnehmer entspannen können. Auch Entspannungs- und Konzentrationsübungen können sehr hilfreich sein.
Eine öffentliche Vorführung des Films unter Anwesenheit aller Beteiligten und auch deren Freunde und Verwandten ist der krönende Abschluss eines Spielfilmprojekts. Auch hier können sie die Beteiligten nocheinmal zu Wort kommen lassen und auf den gesamten Produktionsprozess reflektieren.

Fachausdrücke

Filmklappe, Kostüme, Requisiten, Make-Up, externer Monitor,